Spannung, Humor und Musik bei der 46. LiLa Spätlese

Ausverkaufte Kornmühle: Zwei Autorinnen, bewegende Erinnerungen und ein musikalischer Ausflug in die Südsee

 

Eine gelungene Mischung aus Spannung, Humor, nachdenklichen Momenten und Musik erlebten die Besucher der 46. LiLa Spätlese in der ausverkauften Kornmühle. Die Gastgeber Mathias Meyer-Langenhoff und Martin Liening hatten mit den Autorinnen Meike Büscher und Sabine Jacob sowie dem Musiker Willy Esser ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt.

Mit Meike Büscher stellte sich eine junge Autorin vor, die ihren ersten Roman „Gefährliche Hilfsbereitschaft“ präsentierte. Ausgangspunkt der Geschichte ist eine Anzeige bei der Polizei wegen eines Taschendiebstahls. Doch aus dem scheinbar alltäglichen Vorgang entwickelt sich eine spannende Handlung, in der gut gemeinte Hilfe ungeahnte Folgen hat. Büscher überzeugte mit einem lebendigen, sicheren Vortrag und bewies ein bemerkenswertes Gespür für Spannung.

 

Sabine Jacob entführte das Publikum mit ihrem Roman „Der Fluch des Voodoopriesters“ nach Uganda. Im Mittelpunkt steht Sybill, die nach einem Bootsunglück in einer afrikanischen Dorfgemeinschaft landet und sich auf die geheimnisvollen Kräfte eines Zauberpriesters einlässt, um die Liebe ihres Mannes zurückzugewinnen. Eigene Erlebnisse einer Reise mit dem Jeep durch Uganda lieferten der Autorin den Hintergrund für ihre fantasievolle Geschichte. Gespannt folgten die Zuhörer ihren Schilderungen.

 

Besonders berührend wurde es, als Mathias Meyer-Langenhoff aus seinem Buch „Lasst es euch gutgehen – Das Leben meiner Mutter“ las. Darin zeichnet er das einfühlsame Porträt einer Frau, deren Leben von Krieg, Nachkriegszeit und familiären Herausforderungen geprägt war. Wie sehr diese Geschichte Menschen bewegt, zeigen die zahlreichen persönlichen Gespräche, die der Autor seit Erscheinen des Buches führt. Viele Leserinnen und Leser berichten ihm, wie betroffen sie die Erinnerungen gemacht haben und wie sehr sie darin das Leben ihrer eigenen Mütter wiedererkennen. So wird aus einer persönlichen Familiengeschichte zugleich ein Stück Zeitgeschichte.

 

Martin Liening sorgte mit seinem Dialog „Aufregungen“ für humorvolle Zwischentöne. Darin treffen zwei Menschen aufeinander, die höchst unterschiedlich mit den Ärgernissen des Alltags umgehen: Der eine regt sich über alles auf, der andere bleibt betont sachlich. Das pointierte Wortgefecht mündet schließlich in einer überraschend pikanten Wendung. Deutlich politischer wurde Liening mit seinem satirischen Lied „Schau weg“, einer bissigen Abrechnung mit Gleichgültigkeit und politischer Bequemlichkeit. Seine Warnung vor dem Wegsehen angesichts wachsender Gefahren für die Demokratie war ebenso aktuell wie eindringlich.

 

Für musikalische Stimmung sorgte Willy Esser, der mit seiner Gitarre bekannte Songs zum Besten gab. Spätestens bei Achim Reichels „Aloha Heja He“ hielt es das Publikum nicht mehr beim bloßen Zuhören. Begeistert wurde mitgesungen und im Rhythmus geklatscht. Ein musikalischer Höhepunkt, der für Stimmung in der Kornmühle sorgte.

 

So zeigte die 46. LiLa Spätlese einmal mehr, was den besonderen Reiz dieser Veranstaltungsreihe ausmacht: Unterschiedliche literarische Stimmen, gesellschaftskritische Töne, persönliche Geschichten und Musik verbinden sich zu einem ebenso unterhaltsamen wie anregenden Abend. Der große Zuspruch in der ausverkauften Kornmühle bestätigte erneut, dass die von Mathias Meyer-Langenhoff und Martin Liening gestaltete Literaturreihe längst ihren festen Platz im Nordhorner Kulturleben gefunden hat.

 

Wie immer wurden die Einnahmen dem Förderverein der Kinderklinik gespendet.

                                          Mathias Meyer-Langenhoff

                                                 Willy Esser

                                                 Martin Liening

                                                   Meike Büscher

                                                Sabine Jacob

 Von links nach rechts: Meike Büscher, Sabine Jacob, Martin Liening, Mathias                     Meyer-Langenhoff , Peter Böker und Willy Esser                                          

Hier findet die LiLa Spätlese statt: Kornmühle Nordhorn, Mühlendamm 1b                                                                    Die Kornmühle liegt im Herzen der Nordhorner Innenstadt. Urkundlich erwähnt wurde die Kornmühle erstmals im Jahre 1396. Seit Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Wasserkraft der Vechte am Standort Nordhorn zum Kornmahlen genutzt. Wann das erste Mühlengebäude errichtet wurde, ist nicht genau bekannt. Das jetzige Mühlengebäude stammt vermutlich aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Der Abschlussstein in der Vorderfront links oberhalb der Eingangstür besagt: "Ab ovo Renovata Anno MDCCXCII", übersetzt heißt das "von Grund auf renoviert anno 1792". Im Jahre 1873 wurde zusätzlich der Betrieb einer Sägemühle aufgenommen, die im Ersten Weltkrieg auch zur Erzeugung von Elektrizität genutzt wurde. 1931 erfolgte die Umstellung vom Wasserrad auf Turbinenkraft. Mittels dieser Neuerung wurde u. a. Roheis hergestellt. 1970 wurde der wirtschaftliche Betrieb eingestellt. Im Jahr 1989 wurde die Mühle restauriert und von der Stadt Nordhorn übernommen. Heute dient die Kornmühle als Veranstaltungsort für Konzerte und Ausstellungen

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Martin Liening und Mathias Meyer-Langenhoff